Prüfung - Inhalt der Bewertung:

Die inhaltliche Bewertung von Prüfungen unterliegt – trotz der ganzen Formalisierung des Prüfungsverfahrens – ganz stark subjektiven Einschätzungen und ist deshalb besonders anfällig.

Zu beachten ist dabei, daß nicht jeder Bereich der Bewertung einer vollständigen gerichtlichen Kontrolle unterliegt.

Auch für inhaltliche Bewertungsfehler gilt zudem, daß diese erst dann beachtlich sind, wenn sie „erheblich“ sind.

Im Ergebnis erfolgt die gerichtliche Überprüfung der Bewertung demnach wie folgt:

  • Die Gerichte prüfen die Richtigkeit bzw. Vertretbarkeit von Antworten in vollem Umfang (siehe hierzu unten "Fachliches").
  • Die Gerichte prüfen sodann die Einhaltung der Grenzen des Bewertungsspielraums (siehe hierzu unten "Prüfungsspezifisches").

Liegen erhebliche Fehler vor, so führt dies zu einer Neubewertung.

a. Die fachliche Beurteilung bei der Prüfung:

Ausgangspunkt für die inhaltliche Bewertung ist die Frage nach der zutreffenden Beurteilung (also eine fachliche) und unterliegt insofern auch einer umfassenden gerichtlichen Kontrolle.

Die Schlagworte sind:

  • Richtig
  • Falsch
  • Vertretbar (d.h. eine mit gewichtigen Argumenten folgerichtig begründete Lösung)

Ausreichend ist hiernach grundsätzlich eine "vertretbare" Lösung.

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b. Prüfungsspezifische Wertungen:

Die Bewertung hängt aber natürlich nicht alleine davon ab, daß eine Frage richtig, falsch oder vertretbar beantwortet wurde, sondern ist durch prüfungsspezifische Wertungen zu ergänzen, die erst die Zuordnung zu einer konkreten Note ermöglichen. Hierbei kommt es u.a. an:

  • Schnelles und genaues Erfassen von Problemen,
  • Strukturiertheit der Ausführungen und Überzeugungskraft,
  • Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe,
  • Gesamteindruck,
  • usw.

Diese Bereche überlassen den Prüfern einen Bewertungsspielraum, der nur beschränkt gerichtlich nachprüfbar ist.

Hierzu im einzelnen:

Das Willkürverbot:

Willkür liegt immer dann vor, wenn es keinen sachlichen Grund für eine Bewertung gibt.

Wann dies im einzelnen der Fall ist, unterliegt einer unübersichtlichen Kasuistik.

Anhaltspunkte für Willkür ergeben sich meist aus Randbemerkungen, die in keinem inhaltlichen Bezug zur Prüfung mehr stehen.

Rechtsfolge ist, daß die Bewertung nochmals vorzunehmen ist.

Einhaltung allgemeingültiger Bewertungsgrundsätze:

Nahe an der Willkür sind solche Bewertungsfehler, die sich daraus ergeben, wenn der Prüfer allgemein anerkannte Regeln der Leistungsbewertung ignoriert.

Auch hierzu gibt es eine umfassende Kasuistik. Hierzu gehören u.a.:

  • Anforderungen an den Prüfling, die über den angestrebten Beruf hinausgehen.
  • Die Beachtung persönlicher Umstände, die den Prüfling zufällig begünstigen (wenn ihm beispielsweise zufällig die Prüfungsaufgabe liegt oder er diese zufällig kennt, darf dies nicht zu Abzügen führen)

Gleichbehandlungsgebot/ ständige Bewertungspraxis:

Das Gleichbehandlungsgebot beinhaltet die Forderung, gleiche Leistungen auch gleich zu bewerten.

Eine Gleichbehandlung im Unrecht ergibt sich hieraus aber – wie mehrfach dargestellt – nicht.

Ähnliche Wirkungen können sich auch aus einer ständigen Bewertungspraxis ergeben (sofern diese nicht rechtswidrig ist).

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