Prüfungsverfahren:

Prüfungsbewertung - das Bewertungsverfahren:

Nicht nur die Ermittlung des Prüfungssachverhalts, sondern auch die auf dieser Grundlage erfolgende Bewertung unterliegt Verfahrensregeln.

Auch hier gibt es nicht „das Bewertungsverfahren“.

  • Vielmehr gibt es in Gesetzen, Verordnungen und Prüfungsordnungen jeweils unterschiedliche geregelte Bewertungsverfahren.
  • Hinzukommen Selbstbindungen der Prüfer aufgrund einer ständigen Bewertungspraxis.

Prüfungsbewertung - der ermittelte Sachverhalt:

Wichtig ist vor allem, daß der Prüfer den ermittelten Sachverhalt für das Bewertungsverfahren vollständig zugrundelegt. Probleme können dabei immer wieder entstehen, wenn Prüflinge Bearbeitungen nicht beenden konnten, d.h. zum Zeitpunkt der Abgabe einzelne Themen nur in Form von Gliederungen, Entwürfen o.ä. gefertigt haben.

  • Sollen diese der Prüfung beigefügt werden, sollte vorsichtshalber immer ein ausdrücklicher Hinweis erfolgen.
  • Inwiefern diese dann als Sachverhalt für das Bewertungsverfahren heranzuziehen sind, ist eine Frage des Einzelfalls.

Prüfungsbewertung - die Notenbildung:

Die Frage der Notenbildung ist dann grundsätzlich in den einzelnen Prüfungsordnungen geregelt:

  • Hierauf wird aufgrund der sehr unterschiedlichen Regelungen im einzelnen verwiesen. Für Hilfen kontaktieren Sie mich hierzu bitte direkt.
  • Erfolgt keine Regelung wird man unter Zugrundelegung des arithmetischen Mittels der Einzelleistungen anhand des Gesamteindrucks zu entscheiden haben.

Prüfungsbewertung - der absolute Bewertungsmaßstab:

Prüfungsleistungen sind Individualleistungen. Ihre Bewertung hat demnach anhand eines absoluten (individuellen) Maßstabes zu erfolgen:

  • Dieser Maßstab orientiert sich an dem, was man von einem Absolventen in dem zu prüfenden Bereich erwartet (im Anwendungsbereich des Art. 12 GG sind dies vor allem die beruflichen Mindestanforderungen).
  • Unerheblich sind hingegen Leistungen anderer Prüflinge, die zufällig an demselben Prüfungstermin teilnehmen; diese bilden keinen Maßstab und die Frage, ob diese (im Vergleich zu den Vorjahren) besonders gut oder schlecht abgeschnitten haben, spielt grundsätzlich keine Rolle.

Soviel zur Theorie.

  • Natürlich wird es in der Praxis immer so sein, daß die Leistungen anderer Prüflinge bei der konkreten Bewertung immer eine Rolle spielen werden, denn dieser berücksichtigt meist als Ausgangsbasis für seine Notenbildung eine Durchschnittsleistung (relativer Prüfungsmaßstab).

Die meisten Prüfungsordnungen stellen – ungeachtet dessen - alleine auf einen absoluten Prüfungsmaßstab ab. Relative Bewertungsmaßstäbe werden dann allenfalls für eine „Feinjustierung“ als zulässig erachtet, aber nicht zur Ermittlung Ausgangslage für eine Bewertungsskala. D.h.:

  • Eine gute Leistung bleibt auch dann gut, wenn andere noch besser sind.
  • Relevanz kann dies vor allem dann haben, wenn die Häufung besonders guter Leistungen von Mitprüflingen auf rechtswidrig erlangtem Sonderwissen beruhen (beispielsweise, weil einige Tipps von Prüfern erhalten haben):

Zwar hat derjenige, der (ohne dieses Sonderwissen) „nur“ eine gute Leistung abgeliefert hat, grundsätzlich keinen Anspruch darauf, einen Bewertungsbonus dafür zu erhalten (keine Gleichbehandlung im Unrecht).
Ist Ausgangspunkt seiner Bewertung aber ein relativer Prüfungsmaßstab gewesen, der (aufgrund der besonders guten Leistungen der anderen) nicht so gut ausgefallen ist, wie dies eigentlich unter Zugrundelegung eines absoluten Maßstabs erforderlich gewesen wäre, kann dies durchaus zu einem Verfahrensfehler im Bewertungsbereich geführt haben, der zu einer Wiederholung berechtigt.

Für weitergehende Fragen kontaktieren Sie mich bitte direkt.